Von Verona bis Venedig / über König Lear zu Macbeth /

vom höchsten Balkon des Hauses Capulet / bis zum verstaubtesten Schädel, den Hamlet jemals in seiner Hand gehalten hat /

es ist soweit:

Zum sechsten Mal heißt es im Theaterhaus Hildesheim: Es wird geschreddert! Nach den Begriffen Schiller, Bibel, Kapitalismus, Deutschland und Afrika widmet sich die diesjährige Ausgabe einer Persönlichkeit, die seit fast einem halben Jahrtausend einen unanfechtbaren Platz im Theater behauptet. Ob man will oder nicht, an diesem Dichter und Theatermacher – sofern es ihn als konkrete Person gab – kommt man nicht vorbei. Die Rede ist von William Shakespeare. Im April 2014 jährt sich zum 450. Mal Shakespeares Geburtstag. Das soll gefeiert und geschreddert werden. Wie verhält man sich zum wohl bekanntesten und meistinszenierten Dramatiker der Welt? Ist es möglich, im zeitgenössischen Theater neue Blicke auf ein Phänomen zu werfen, das das Theater maßgeblich mitgeprägt hat? Auf diese Fragen suchen wir Antworten. Ihr seid herzlich eingeladen mitzusuchen. Das Theaterhaus Hildesheim lädt auf ein Neues zu seiner Spielreihe für junge Theatermacher|innen ein. Vier Gruppen stellen sich der Herausforderung, das Phänomen Shakespeare durch eigene Zugriffe und Perspektiven zu beleuchten.

Afrika – der mythische Sehnsuchtsort, das Versprechen von Ursprünglichkeit und Harmonie mit der Natur. Afrika – der Kontinent der Schwachen und Abhängigen. Tatsächlich verändert sich der Kontinent seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts in atemberaubender Geschwindigkeit. Heute ist « der schwarze Kontinent » kein bloßes Opfer seiner Geschichte mehr. « Afrika » ist « Zukunft ». Umso dringender wird es für uns, einen neuen Blick auf alte Sichtweisen, Stereotype und Gewissheiten zu werfen: Vier Gruppen machen sich auf, das Thema Afrika in seine Einzelteile zu zerlegen und zur Aufführung zu bringen.

Der Schredder ist zurück – hinein werfen wir die ganze Nation. Das Theaterhaus führt seine Spielreihe für junge Nachwuchstheatermacher fort. Wir suchten und fanden vier aufstrebende Gruppen, die sich anschickten, das ganze Land in seine Einzelteile zu zerlegen, eine Auswahl zu treffen, diese in Form zu gießen und zur Aufführung zu bringen. Das Schredder-Festival zeigte alle vier Aufführungen geballt an einem Wochenende.

Fünf Projektgruppen aus jungen Theatermachern und Performancekünstlern haben sich im Rahmen des Schredders mit dem Kapitalismus auseinander gesetzt und brachten ihre Ergebnisse in innovativen Theaterformaten auf die Bühne. Wissenschaft traf künstlerische Praxis, Recherchearbeit mündete in ästhetischer Formentwicklung.
Wir stellten den ausgewählten Projekten ein minimales Produktionsbudget, eine Woche Probenzeit im Theaterhaus-Foyer und einen erfahrenen Künstler als Berater zur Verfügung.
Im März und April 2011 gab es insgesamt fünf Premieren, die am 08./09.04 zusammengefasst zum Schredderfestival 2011 noch einmal komprimiert aufgeführt und von einen spannenden Rahmenprogramm flankiert wurden.

 

 

 

Der Bibelschredder ist der Nachfolger des Schillerschredders. Der Schredder ist als Werkstattplatz konzipiert, wo sich junge TheatermacherInnen mit einem Thema auseinandersetzen und zu diesem spannende Theaterformate entwickeln.
Der Bibelschredder fand über vier Wochen im März 2010 statt. Am Ende jeder Woche stand eine Aufführung, am 10./11. April gab es ein Wochenend-Festival, bei welchem alle Projekte noch einmal gezeigt wurden.
Dem Schredder ist es wichtig, dass über die entstandenen Produktionen reflektiert werden kann. Darum gab es im Rahmen des Festivals ein abschließendes Symposium in der Citykirche. Moderiert wurde es von Pastorin Nora Stehen und Florian Frenzel, Mitarbeiter des Instituts für Theater und Medien der Universität Hildesheim. 

 

Warum die Bibel?

Natürlich klingt Bibelschredder zunächst martialisch. Aber uns geht es hier nicht um theatrale Blasphemie, sondern darum, wie man ein solch umfangreiches und für die abendländische Kultur so bedeutendes Werk für das Theater bearbeiten kann. Und dabei kann uns ein Schredder gute Dienste erweisen, denn:
"Wird ein Objekt in den Schredder gegeben, wird dieses in kleine Bestandteile aufgelöst.
Zunächst aber wird das Objekt ausgeschlachtet, Betriebsstoffe werden abgelassen, das Rohmaterial wird gepresst und anschließend durch eine Hammermühle in kleine, etwa faustgroße Teile zerteilt."
Der Bibelschredder ist der Laborversuch des Theaterhaus in dem junge Nachwuchsgruppen das Buch der Bücher zerlegen, analysieren und neu zusammenfügen. Was geschieht mit der Heiligen Schrift im Reagenzglas? Wird‘s bunt? Stinkt‘s? Knallt‘s?