Fräulein Wunder AG ist seit 2006 der Deckname für eine künstlerische Arbeitsgemeinschaft, die sich im gemeinsamen Studium der Kulturwissenschaften und Szenischen Künste an der Universität Hildesheim gründete. Unsere Arbeiten zwischen Performance, Installation und (Inter-)Aktion entstehen in kollektiven Arbeitsstrukturen: alle Mitglieder sind zugleich KonzeptentwicklerInnen, DramaturgInnen, RegisseurInnen und PerformerInnen.

Unsere „Stoffe“ finden wir da wo sich gesellschaftlicher Diskurs mit persönlichen Themen treffen, die wir zu unterhaltsamen, filmischen und theatralen Bilder und Aktionen entwickeln. Wichtig ist uns Recherche als Grundlage unserer künstlerischen Arbeit, aber auch das Experimentieren mit geöffneten Aufführungskonzeptionen, in der das Publikum als aktiver Spielpartner den Verlauf des Geschehens mit beeinflusst. 


Gründungsmitglieder der Fräulen Wunder AG sind:
Anne Bonfert, Melanie Hinz, Verena Lobert, Vanessa Lutz, Malte Pfeiffer und Carmen Waack

 

aktuelle Inszenierungen:

Power of Pussy

Ab 16
Dauer: 90 min.

Der legendäre Tomatenwurf von Sigrid Rüger löste 1968 die zweite Welle der Frauenbewegung aus. „Doch wie weit flog die Tomate wirklich?“, fragt sich die Fräulein Wunder AG und rekapituliert in POWER OF PUSSY das kollektive Gedächtnis der alten und neuen „F-Klasse“. Mittels Reenactment, Lecture und Interview entwickelt sie eine subjektive, teils schräge Geschichte des Feminismus und fragt sich: Wie gleichberechtigt leben, lieben und arbeiten? Wie kann ich als Mann Feminist sein? Haben Pop und Selbstironie den Feminismus lediglich in den Mainstream oder wirklich weiter gebracht? Welche Ereignisse der Frauenbewegung haben noch immer utopisches Potential für die Verwirklichung der Geschlechterdemokratie? Ein Abend auf der Suche nach zeitgemäßen Versionen von Weiblichkeit und Männlichkeit - dokumentarisch, politisch und unterhaltsam.

 

Auf den Spuren von...

Ab 12
Dauer: 130 min.

Auf der Suche nach der Geschichte ihrer Familien ist die Fräulein Wunder AG quer durch Europa gereist. Sie hat mit verloren geglaubten Verwandten, Namensforschern und Historikerinnen gesprochen, Archive und Dachböden durchstöbert, Briefe, Fotos und Erinnerungsstücke gesammelt. Das Ziel: die Migrationsbewegung der eigenen Familie verstehen: Wer ging wann von wo wohin? Und vor allem: Warum? 
Gemeinsam mit dem Publikum rekapitulieren die Performerinnen die gesammelten Geschichten und Erlebnisse - und erzählen von Aus- und EinwanderInnen, frühen Patchwork-Familien, spanischen Juden und Deutsch-Brasilianern, Glücksfällen, Überlebenskämpfen und den Träumen von einem besseren Leben. Die Reise führt von Schlesien ins Münsterland, in die Bergwerke Österreichs, nach Bessarabien und Siebenbürgen, über Kaffeplantagen bis nach Brasilien. Die Fräulein Wunder AG fragt: In wie weit ist meine eigene Familiengeschichte Spiegel gesamteuropäischer Migrationsgeschichte? Und: woher bloß habe ich diese Nase?!

 

Ein Bankett für Tiere

Ab 16
Dauer: 100 min.

 

Die Fräulein Wunder AG hat Orte besucht, an denen Mensch und Tier in einem besonderen Verhältnis zueinander stehen. Sie hat mit Wölfen geheult, Falken fliegen lassen, in den frühen Morgenstunden auf Wild gewartet und Fischschwärme bewundert. Sie hat nach den Herrschaftsverhältnissen von Domestizierung und Nahrungskette gefragt, nach den Projektionen auf das Andere, das Wilde und den natürlichen Kreislauf, und sie fragt: was esse ich, was begehre ich und was will ich mir einverleiben? Deshalb bereitet die Fräulein Wunder AG ihren Gästen ein exklusives Abendessen. Gang für Gang legt sie dabei die Schichten der Beziehung von Mensch und Tier frei. Sie übt sich in der Kunst des Jagens, ergreift die Positionen von Aktivisten und Mastbauern und sucht nach dem Tier in sich selbst. Es geht um die Schönheit der Ähnlichkeit und der Differenz und um das, was uns verbindet: primäre Bedürfnisse, Bewegung und Überlebenswille. Immer wieder dient das Tierische als Projektionsraum, um über menschliche Sehnsüchte, Grenzen und Gesellschaftsordnungen nachzudenken. Das gemeinsame Essen wird so zu einer utopischen Begegnung mit den Tieren und fordert uns heraus, Stellung zu beziehen: Was bieten wir den Tieren, die uns kleiden und ernähren, eigentlich im Tausch? Teilen wir mit ihnen den Stadtraum und geben ihnen demokratische Rechte? Oder müssen wir konsequenterweise selbst zum Bankett für Tiere werden?