Zuckerhut gibt es seit der Theaterproduktion „Die glorreichen Sieben” und wurde von der Dramaturgin Barbara Kastner gegründet. Mit der Produktion „Die Auflösung. Eine Untersuchung über Unvermögen und Belanglosigkeit” im Frühjahr 2006 begann die Zusammenarbeit der Schwestern Julia Kastner (Regie/Sounddesign) und Barbara Kastner (Dramaturgie) unter dem Namen Zuckerhut Theaterprodukt. Zuckerhut Theaterprodukt ruft Theaterprojekte ins Leben, die sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Prozessen beschäftigen. „Die Auflösung” war der Auftakt zu einer Reihe von Untersuchungen unserer Gesellschaft, bei denen Themen des Alltags mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und dramatischen Texten verbunden werden: In der Recherchephase wird ein „Forschungsobjekt” bestimmt, von dem ausgehend ein experimentelles Terrain abgesteckt wird.

 


aktulle Produktionen:

Understanding Hildesheim (2015)
Stadtgefühle zwischen Mittelmaß und Vorurteil

Liebgewonnene Klischees und urbane Legenden knöpfen wir uns im Jubiläumsjahr vor. Bei “Understanding Hildesheim” wird manches entsorgt, was den HildesheimerInnen lieb und teuer ist – vom historischen Marktplatz bis zum Großstadtmythos. Statt dessen sollen Schuldenkrise, Innenstadt-Leerstand oder Bausünden zu Grundpfeilern eines neuen Stadtbewusstseins werden. „Wir üben, Schwächen anzunehmen und das Beste daraus zu machen, um ein neues, ein echtes Stadtgefühl zu generieren“, heißt das Motto des eigens berufenen Stadtoptimierungs-Teams; vom Slogan bis zum Weltkulturerbe Hildesheims wird erst einmal alles in Frage gestellt und grundauf erneuert.


Leonce und Lena (2012)
Ein Büchner Experiment von Zuckerhut Theaterprodukt

Ein Theaterstück für Erwachsene und für Jugendliche ab 14 Jahren.

Leonce und Lena ist unendlich langweilig. Dabei könnte man so vieles machen, zum Beispiel Karriere oder Sängerin werden oder studieren. Doch wo fängt man damit an? Und wie macht man das? Vielleicht findet man was im Internet? Aber wie filtert man die Information, die man braucht, aus der Datenflut raus? Am besten verschiebt man das auf morgen und schaut mal kurz auf Facebook, was da so los ist. Doch dann holt einen das andere Leben ein, denn die Eltern haben die blöde Idee, dass jetzt die Heirat ansteht, nicht nur der Beruf. 

Langeweile und Perspektivlosigkeit entstehen heute wie damals durch die Zwänge des sozialen Umfelds. Was ist noch interessant, wenn alles vorgezeichnet scheint? Leonce und Lena versuchen einen Ausbruch: Doch räumliche Flucht führt nicht unbedingt auch zu der aus den gesellschaftlichen Verhältnissen…

Nach der letztjährigen erfolgreichen Inszenierung von Dürrenmatts „Die Physiker“ hat sich das Ensemble in der Regie von Julia Kastner die im Jahre 1836 entstandene Polit-Satire „Leonce und Lena“ vorgenommen. Mit Blick auf den 175. Todestag Büchners in diesem und seinem 200. Geburtstag im kommenden Jahr zieht die Inszenierung Parallelen zwischen Büchners Leonce und Lena und den Auswirkungen moderner Mediennutzung auf gesellschaftliche Positionen und Verhaltensweisen. Büchners kurzes Stück lässt genug Raum für die eigenen Sichtweisen und Assoziationen des künstlerischen Teams und deren Umsetzung in einem modernen Sound- und Raumkonzept.

James & Priscilla arrangieren Texte und Musik aus Popsongs als Theaterinszenierungen. Das Ergebnis kann Pop-Oper genannt werden, minimalistisches Bildertheater oder abstraktes Live-Hörspiel. Durch den gezielten Einsatz von Gestik, Mimik und Andeutungen von Tanz ersetzen sie die große Geste und erschaffen eine zeitgenössische Form von Pathos.

James & Priscilla wurde 2009 von Studierenden der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim gegründet. Die bisherigen Produktionen sind Badlands (2010), End of a Century (2011), The Love Below (2012) und A Tender Age(2013). Für Nightcalls (2015) setzt sich die Theatergruppe aus dem Regie- und Produktionsteam Jasper Tibbe und Aishe Spalthoff, sowie den Performer_innen und Musiker_innen Clara Minckwitz, Felix Scheer, Janis Fisch, Karoline Kähler und Mila Dargies zusammen. Die Theatergruppe hat bisher u.A. bei den Festivals theaterszene europa in Köln und Out Now! in Bremen teilgenommen und ist über frühere Auftritte bei Festivals in Manchester, Zürich und Kopenhagen auch international vernetzt. 2014 gewann sie für A Tender Age den Preis der BürgerStiftung Hildesheim in der Kategorie Junges Theater.


aktuelle Produktionen:

Nightcalls (2015)
Eine Theaterproduktion von James & Priscilla für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren

Da sind zwei und die sind eben zusammen, die ganze Zeit zusammen. Halten sich an den Händen, rennen durch Gärten und alles andere ist egal. Und dann, in einem alten Schloss, finden sie Möbel, die sprechen können und gut aussehen, cooler irgendwie. Und die fragen die beiden, warum sie denn immer nur zu zweit sind, denn das ist doch langweilig. Und außerdem würde sie auch wirklich deutlich besser singen als er.

Die Theatergruppe James & Priscilla hinterfragt mit aktueller Pop-Musik und Anleihen an den Disney-Film Die Schöne und das Biest, was es heißt, ein Pärchen zu sein (A physical kiss is nothing without it — Chet Faker), was das mit Individualität und Selbstverwirklich-
ung zu tun hat (See, I don't need his love — Friends) und warum es so peinlich sein kann, aneinanderzuhängen (I need your love — James Yuill).


A tender Age (2013)
A Tender Age ist Popmusiktheater, das aktuelle Popsongs, deren Texte um das Thema Jugend kreisen, als einziges Material hat.

Vier Performer*innen spielen und singen die Lieder live auf der Bühne und sprechen Übersetzungen der englischen Songtexte über diese Fläche aus Musik. So erzählen James & Priscilla die Geschichte der vier Jugendlichen Lana, Bambi, Mikey und Robbie von ihrer frühen Jugend, dem ersten Verliebtsein, gemeinsamen Fahrradfahren durch die Straßen und dem Rumsitzen und Nachdenken vor Postern im eigenen Zimmer — bis hin zum Ende ihrer Unschuld, dem Ausprobieren von Alkohol und Drogen, Gruppenzwang, Emanzipation von der Mutter und schließlich dem ersten Sex.


The Love below (2012)

In The Love Below verknüpfen James & Priscilla Textfragmente des Hollywood-Films Boogie Nights mit zeitgenössischen Popsongs. Die Produktion ist Resultat der kontinuierlichen Weiterentwicklung bereits erprobter Formate. Der Film Boogie Nights von 1997 bietet die Draufsicht auf ein Personengefüge in der Pornoindustrie der 1970er und 80er Jahre in den USA. Er zeichnet das Portrait einer Gesellschaftsgruppe mit der ambivalenten Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Freiheit. In der Bearbeitung und Aktualisierung des Textes treten bei James & Priscilla sowohl Schicksale einzelner Figuren, als auch deren Gespräche über Themen wie Liebe, Lebensträume und alltägliche Banalitäten in den Vordergrund. Popmusik der vergangen zehn Jahre ist dabei das zentrale Mittel, um die Sehnsüchte der Figuren auf die Generation der Mitglieder von James & Priscilla zu aktualisieren.

Das Theater Fata Morgana betreibt seit 1990 ein professionelles freies Kinder- und Jugendtheater. Mit seinen Kindertheater-Produktionen gastiert Theater Fata Morgana im gesamten Bundesgebiet sowie bei diversen Festivals.
Neben der Arbeit an eigenen Produktionen sind die drei Mitglieder des Theater Fata Morgana, Karl-Heinz Ahlers, Thomas Esser und Hartmut Fiegen an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern als Schauspieler, Musiker, Regisseure und Autoren tätig.

2006 gewinnt das Theater Fata Morgana mit „Die Reise nach Brasilien“ den Preis für freies Theater der niedersächsischen Lottostiftung und 2007 den Hamburger Kindertheaterpreis. Letzteren erhielten sie erneut 2011 für die Produktion “Arthur und Merlin”. „Das Gespenst von Canterville“ wurde 2014 zum Norddeutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival „Hart am Wind“ eingeladen.

 


 

aktuelle Inszenierungen: 

Der Umbrella Code
Ein Theaterstück über Verfolgung und Widerstand der Swing-Jugend im Nationalsozialismus

ab 12 Jahre

Hamburg im Jahr 1939: Hans, Marie und Freddy sind keine normalen Jugendlichen. Wenn sie sich nach der Schule heimlich treffen, geben sie sich Spitznamen und nennen sich wie ihre großen Idole – Duke, Ella und Louis. Denn sie lieben den Jazz in einer Zeit in der ganz Deutschland im Gleichschritt der Katastrophe entgegen marschiert und Querdenker nicht geduldet werden. Mit Mut und Leidenschaft untergraben sie den Stumpfsinn einer Nazi-Ideologie, die alles Andersartige als undeutsch und entartet verfolgt. Während die Mehrzahl ihrer Mitschüler an den Lagerfeuern der Hitlerjugend Volkslieder schmettert, lauschen Hans, Marie, Freddy und ihre Freunde den britischen „Feindsendern“. Sie bezeichnen sich als „Swing Kids“ und sind Teil einer provokativen Jugendbewegung, die ein geheimes Netzwerk von Jazz-Liebhabern in ganz Nazi-Deutschland unterhält, von Hamburg über Hannover und Köln bis nach Dresden. Dabei geht es ihnen eigentlich gar nicht um die direkte Bekämpfung der Diktatur - was sie verbindet ist die pure Freude am Swing und das tiefe Bedürfnis sich diesem jugendlichen Lebensgefühl von Freiheit und Ausgelassenheit hingeben zu wollen. Das geheime Erkennungszeichen der „Swing Kids“ ist der stets geschlossen über dem Arm getragene Regenschirm als Bekenntnis zur angloamerikanischen Lebensart. Ihre Umwelt irritieren sie durch ihre betont (nach)lässige Kleidung, mit der sie sich von der braunen Uniformität der Hitlerjugend abgrenzen. Auf ihrem tragbaren Plattenspieler spielen sie die neusten Scheiben von Duke Ellington und Louis Armstrong und provozieren ihre strammdeutschen Nachbarn durch besonders riskantes öffentliches Hören in Parks, Freibädern  oder Straßenbahnen – immer bereit zur wilden Flucht, sobald sich ein NS-Scherge nähert. Eines Tages aber endet dieses Spiel mit dem Feuer im Unglück..


Das gespenst von Canterville
Musikalisches Live-Hörspiel nach Oscar Wilde

ab 7 Jahre (in deutscher Sprache)
Dauer: Ca. 60 Minuten

Der amerikanische Gesandte Mr. Hiram B. Otis schlägt alle Warnungen in den Wind und kauft das altehrwürdige Schloss Canterville um dort mit seiner Familie einzuziehen. Dabei hatte ihm sogar der vorherige Besitzer Lord Canterville selbst dringlich vom Kauf abgeraten. Denn das Schloss ist ohne Zweifel verwünscht. Eine unruhige Seele hat schon viele Familienmitglieder fast in den Wahnsinn getrieben. Kurz: Es spukt! Doch der aufgeklärte Amerikaner lacht nur über die Geschichten der komischen Engländer – Gespenster? Gibt es nicht! Der mysteriöse Blutfleck auf dem Teppich vor dem Kamin? Pinkertons Universal-Fleckenreiniger entfernt ihn bestimmt im Nu! Quietschende Ketten? Tammanys Rising Sun Schmieröl wird schon Abhilfe schaffen! Doch der Blutfleck kehrt auf mysteriöse Weise jeden Morgen wieder und die rasselnden Ketten bleiben nicht die einzige mitternächtliche Störung. Unheimliche Begebenheiten häufen sich und bald müssen auch die unerschrockenen Amerikaner zugeben: In Schloss Canterville treibt ein Gespenst sein Unwesen...

Oscar Wildes humorvoll-gruselige Geschichte verbindet Witz und Ironie mit allgemein gültigen Wahrheiten über Schuld und Sühne. Die Welt bei Wilde ist immer differenziert, kein Mensch ist nur schlecht und selbst der Schlechteste kann durch eine gute Tat erlöst werden. In unverwechselbarer Weise verbindet er Anarchie und Moral – und webt zur Freude der etwas älteren Zuschauer immer wieder Spitzen über die anglo-amerikanischen Beziehungen in die kindgerechte Geistergeschichte.

Im musikalischen Live-Hörspiel "Das Gespenst von Canterville" schlüpft Darsteller und Musiker Thomas Esser als Erzähler in die unterschiedlichen Rollen, begleitet die Geschichte gleichzeitig als Multi-Instrumentalist mit atmosphärischer Live-Musik und lässt mit den klassischen Mitteln des Geräuschemachers die schaurig-schönen Situationen auf Schloss Canterville lebendig werden. Dabei sitzt er inmitten seiner mobilen Klangerzeugungs-Werkstatt zwischen akustischen und elektronischen Instrumenten, Mikrofonen und skurrilen Geräuschemacher-Utensilien, so dass das kindliche Publikum die Erzeugung der jeweiligen Effekte und Atmosphären hautnah miterlebt.

Theater Fata Morgana spielt das Stück in einer deutschen Fassung für Kinder ab 7 Jahren und plant für 2015 eine englischen Fassung für Kinder ab dem dritten Lernjahr. 


Der dickste Pinguin vom Pol
von Ulrich Hub

ab 4 Jahre
Dauer: ca. 45 Minuten

Ein kleiner, dicker Pinguin hat den Schnabel voll von der Kälte am Südpol. Trotz seiner ziemlich dicken Fettschicht friert und zittert und bibbert und schlottert und schnattert er. Also springt er auf die nächste Eisscholle und schon beginnt eine abenteuerliche Reise. Ziel: Sardinien, oder zumindest ein heißeres Plätzchen als die Antarktis. Doch auch die tollste Reise wird irgendwann langweilig. Dem dicken Pinguin hilft da nur eins: sich den Bauch voll schlagen mit Fischstäbchen, seinem Leibgericht! Aber was ist, wenn alle Fischstäbchen aufgefressen sind? Was ist, wenn die Eisscholle gänzlich geschmolzen ist? Dann heißt es, Schnabel zusammenbeißen, egal, wo man gelandet ist! Schließlich kann ein Pinguin immer noch als Kellner arbeiten, oder als Oberkellner, oder als Fischstäbchenoberkellner!

Theater ASPIK ist eine freie Theatergruppe aus Hildesheim, die als Kollektiv interdisziplinäre Produktionen in unterschiedlichen Formaten entwickelt und als Eigenproduktionen, sowie als Koproduktionen mit verschiedenen Häusern oder anderen Institutionen, zur Aufführung bringt. Das Ensemble erhielt 2000-2012 eine Konzeptionsförderung vom Land Niedersachsen. Organisiert ist Theater ASPIK als GbR mit acht Gesellschaftern. 

Von 2012-2014 hat Theater ASPIK zusammen mit dem Staatsschauspiel Dresden im Rahmen einer zweijährigen Förderung aus dem Doppelpass-Programm der Bundeskulturstiftung zwei Großprojekte im ländlichen Raum von Sachsen entwickelt. Und jeweils einmal im Jahr erarbeitet das Team von Theater ASPIK außerdem ein Landschaftstheaterprojekt mit zahlreichen Laiendarstellern in Kooperation mit dem „Forum für Kunst und Kultur" in Heersum.

Die Gruppe wurde bereits 1988 von AbsolventInnen der Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim gegründet, als eines der ersten freien Theater, die aus diesem Studiengang hervorgegangen sind. Später sind auch Schauspieler/Tänzer/Musiker aus anderen Zusammenhängen dazu gekommen. Seit 2002 arbeitet ASPIK kontinuierlich mit dem gleichen Kernensemble.

 


aktuelle Produktionen:

Point of no return (2015)

Projektionen menschlicher Sehnsüchte sind durch die digitalen Medien allgegenwärtig geworden. Immer neue Chancen und Verprechungen bilden einen verwirrend wuchernden, verheißungsvollen Dschungel. Doch je größer die Bandbreite der Optionen und scheinbar verpassten Gelegenheiten, desto aufgeladener das Wunschbild der einmaligen, entscheidenden Begegnung, die das Leben in eine Bahn lenkt, für immer verändert und der Verwirrung ein Ende setzt. Im Windschatten von Freiheit und konsumistischer Entgrenzung wächst die Sehnsucht nach Eindeutigkeit, Tabula Rasa, nach Erlösung vom Wirrwarr der Möglichkeiten – verkörpert im idealen Lebenspartner. Angelehnt an Francois Truffauts Film „Mississipi Mermaid“ erzählt Theater ASPIK die Geschichte zweier Menschen, die sich bis ins hohe Alter rettungslos ineinander verhaken: Das Paar findet sich über eine Annonce und schwört sich ewige Liebe, noch vor der ersten Begegnung. Als sich aber herausstellt, dass sich hinter ihren Namen andere Identitäten verbergen, wird ein kriminalistisches Drama in Gang gesetzt, das die beiden nicht auseinander bringt, sondern erst recht fatal zusammenschweißt.

„La sirène du Mississipi“ ist ein Film Noir von François Truffaut aus dem Jahr 1968. Darin verkörpern die französischen Stars Catherine Deneuve und Jean-Paul Belmondo zwei Figuren, die in scharfem Widerspruch stehen zu ihrem Image und den Geschlechterbildern ihrer Zeit. Truffaut, der das Drehbuch auf der Basis des amerikanischen Kriminalromans „Waltz into Darkness“ von Cornell Woolrich entwickelte, hat diese Provokation bewusst gesucht. Fast 50 Jahre später reizt auch uns – auf ganz andere Weise – das Spiel mit geliehenen Identitäten, Projektionen und Oberflächen – und die Frage nach dem, was wir im Gegenüber suchen.

Dafür hat Theater ASPIK das Road Movie um ein Pärchen, das sich selber nicht über den Weg traut, von Grund auf verändert und einen dritten Protagonisten eingeführt, der den Handlungsstrang der Täuschungsmanöver vorantreibt und findet, wonach die beiden anderen ihr Leben lang vergeblich suchen. Alle Figuren und ihre Motivationen sind in unserer unübersichtlichen Gegenwart angekommen. Und aus einer Geschichte, die sich ursprünglich innerhalb weniger Monate abspielt, wird eine Jahrzehnte währende, lebenslängliche Groteske.


Kirschgarten zu verkaufen (2013)

Sie sehen tatenlos zu, wie ihnen die Felle davon schwimmen. Sie lassen sich treiben und waten durch ihre versinkende Welt, als wäre das alles schon immer so gewesen: Leonid Gajew, Dunjasa, Ljubov Ranjewskaja und Ermolaj Lopachin.
100 Jahre nach der Uraufführung sind nur noch vier einsame Existenzen übrig geblieben vom üppigen Personal in Tschechows Kirschgarten. Vier lebenshungrig-verlorene Zeitgenossen, die in ihren Erinnerungen baden gehn und nicht wahrhaben wollen, dass sie nicht schwimmen können. Sie beschweren sich, sie jammern, sie feiern und hoffen und trösten sich damit, dass ihnen das Wasser immer noch nicht ganz bis zum Hals steht. Und angesichts der drängenden Entscheidungen tauchen sie lieber ab und verstricken sich in emotionale Nöte, anstatt das Notwendige zu tun.


Speicher / Ebbe der Erinnerung (2014)

Sie schwirrt durchs Web, sie schwebt auf Clouds, sie flackert milliardenfach durch die sozialen Netzwerke: Digitalisierte Erfahrungsmasse – ausgelagert, aber jederzeit verlustfrei verfügbar. Unsere mentalen Erinnerungen sind demgegenüber sprung- und lückenhaft, fragmentarisch, subjektiv und ständig in Bewegung. Bei jedem Abrufen werden sie neu angeordnet, bewertet und dann von Neuem ins Gedächtnis eingeschrieben: ein Prozess, der zeitlebens in Gang bleibt und unsere Identität ausprägt.
Immer öfter helfen digitale Speichermöglichkeiten dem Gedächtnis auf die Sprünge – und besetzen zunehmend Lebensbereiche, für die bisher das Erinnerungsvermögen zuständig war. Schon 1997 hat sich der Computeringenieur Gordon Bell mit dem epochalen Microsoft-Rechercheprojekt „MyLifeBits“ zum Ziel gesetzt, sein Leben so umfassend wie möglich zu digitalisieren und damit der Vergänglichkeit ein Schnippchen zu schlagen: Programme archivieren seine Webaktivitäten, Telefonate und Vorträge, die gehörte Musik, das gesehene Fernsehprogramm, und eine Kamera fotografiert automatisch die Begegnungen mit seiner Umwelt. Aber auch jenseits wissenschaftlicher Experimente verändern digital vordokumentierte Abenteuerreisen oder digitale Grabsteine bereits heute die Aufgabenbereiche für unser althergebrachtes Gedächtnis. Bevor wir irgendwann Speichern mit Erinnern verwechseln, taucht Theater Aspik noch einmal ein in die Welt der analogen Erinnerung: In das Verschwommene, Hybride, Sprunghafte, nur bruchstückhaft Glasklare, ins wild Phantasierende, Unzuverlässige. In die Welt der Neuinterpretationen und der leeren Seiten. 

Mit Nichts außer Herz und Hirn in den Taschen, durchstreunen wir Geschichten, die aus dem Moment entstehen. Samtpfotig und wild entschlossen setzen wir in Szene, was unsere Fantasie hergibt. Eine bunte Tüte aus absurden und alltäglichen Figuren und Geschichten wird aus dem Stegreif erschaffen, besungen und durch den Wolf gedreht – Theaterkonfetti für alle!

Begleitet von Live-Musik, und nach den Vorgaben des Publikums, jonglieren wir mit Klischees, klassischen Comedyelementen und herzbewegenden Augenblicken. Wir sorgen für Lachmuskelkater und umschnurren unser Publikum nach allen Regeln der Improvisationstheaterkunst.

Seit 2003 hocken wir – Kirsten, Hannah und Nele – gemeinsam im Katzenkorb, spielen uns aufeinander ein, improvisieren auf Bühnen in Deutschland und Europa, tigern mit gespitzten Ohren durch die Impro-Welt, bilden uns weiter, bleiben am Ball und würgen ab und zu ein goldenes Fellknäuel hervor.

 
Lassen Sie sich verwickeln – Wir freuen uns auf eine gemeinsame Show!